Muss ich heute noch koscher essen. Was ist mit Schwein, Krabben und ähnlichen Lebensmitteln. Was sagt die Bibel. Und was lässt sich aus Lebensmittelwissenschaft ableiten.
In 3. Mose, Kapitel elf, unterscheidet Gott zwischen reinen und unreinen Tieren. Diese Ordnung ist Teil des Bundes mit Israel und gehört in den Rahmen des mosaischen Gesetzes. Schon in 1. Mose, Kapitel sieben, Vers zwei, wird außerdem zwischen rein und unrein unterschieden. Das zeigt: Die Kategorien sind älter als Sinai, auch wenn die konkreten Speisegebote später im Gesetz ausformuliert wurden.
Wichtig ist die Frage, wie Christen das im Neuen Bund einordnen. Im Neuen Testament wird Gerechtigkeit vor Gott nicht über Speise erreicht. In Apostelgeschichte, Kapitel fünfzehn, wird diskutiert, welche Anforderungen Heidenchristen tragen sollen. Das Ergebnis ist keine Übernahme der gesamten Speisegesetze. Paulus behandelt Essen später vor allem als Gewissensfrage und als Frage der Rücksicht. In Römer, Kapitel vierzehn, Vers vierzehn, sagt er, dass an sich nichts unrein ist, für den, der so überzeugt ist.
Auch 1. Timotheus, Kapitel vier, Verse vier bis fünf, wird oft zitiert. Der Text sagt, dass Gottes Gaben mit Dank angenommen werden sollen. Das ist keine Aufforderung, blind zu essen. Es setzt ein reifes Gewissen voraus und passt zu der Linie, dass Speisen keine Tür zu Gott öffnen.
Dann bleibt die zweite Ebene. Gesundheit und Risiko. Hier ist es wichtig, sauber zu bleiben. Die Bibel ist kein modernes Toxikologie-Handbuch. Gleichzeitig passen einige Beobachtungen der Lebensmittelwissenschaft gut zu dem, was man in der Natur sieht.
Muscheln und andere zweischalige Weichtiere sind Filtrierer. Sie können beim Filtern Krankheitserreger, Algen-Toxine und auch chemische Belastungen anreichern. Deshalb gibt es in der EU strenge Regeln für Erntegebiete und Kontrollen, und Rohverzehr gilt als besonderes Risiko.
Bei großen Raubfischen steigt das Risiko für Methylquecksilber, weil sich Belastungen in der Nahrungskette anreichern. Europäische und deutsche Risikobewertungen weisen besonders für empfindliche Gruppen wie Schwangere auf Arten mit höheren Werten hin.
Bei Aal ist die Lage in Teilen Europas heikler, weil Aal lange lebt, fett reich ist und dadurch bestimmte fettlösliche Schadstoffe stärker anreichern kann. Dazu gibt es Untersuchungen, in denen Proben je nach Gewässer deutlich belastet sind. Das ist kein Argument gegen Fisch insgesamt. Es ist ein Argument für Herkunft, Art und Menge.
Beim Schwein ist ein Teil der häufig erzählten Begründungen biologisch schwach. Dass Schweine kaum schwitzen, erklärt keine Giftbelastung im Fleisch. Real sind eher zwei Punkte. Erstens: Parasiten und bestimmte Infektionen können über unzureichend gegartes Fleisch übertragen werden. In modernen, kontrollierten Haltungssystemen ist das Risiko deutlich gesunken, bleibt aber bei Wildschwein und bei unkontrollierten Produktionsformen relevanter. Zweitens: Wie hilfreich Schweinefleisch ist, hängt stark von Verarbeitung, Fettgehalt, Menge und Qualität ab.
Damit ergibt sich eine nüchterne Antwort.
Du musst als Christ im Neuen Bund keine Speisegesetze halten, um vor Gott gerecht zu sein. Du darfst frei entscheiden. Diese Freiheit trägt Verantwortung. Wenn du bestimmte Lebensmittel meidest, kann das aus Weisheit geschehen, aus Gesundheit, aus Gewissen, aus Klarheit im Alltag. Wenn du sie isst, dann achte auf Herkunft, Hygiene, Gargrad und Maß.
Die Frage verschiebt sich damit. Sie lautet weniger: Was ist erlaubt. Sie lautet mehr: Was dient mir. Was passt zu meinem Gewissen. Und wie ehre ich Gott mit dem, was ich meinem Körper gebe.
Ob ihr esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes. 1. Korinther, Kapitel zehn, Vers einunddreißig.